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Arbeitsgruppe “Kastelburg in Not”
unter dem Dach des Heimat- und Verkehrsvereins Waldkirch und Umgebung e. V.
Meine Burg, meine Stadt, mein Geld
KLEINE BURGENKUNDE IV: Die Kastelburg bei Waldkirch war Sitz eines Raubritters / Erlebniss- touren halten Geschichte lebendig

WALDKIRCH. Das Gebiet rund um den Oberrhein ist reich an Burgen. Sechs von ihnen stellen wir in einer kleinen Serie vor - als kurzer Ausflug in die Geschichte der Region und als Ausflugstipp. Heute: die Kastelburg bei Waldkirch, die alles hat, was eine Ritterburg so braucht - außer ein Gespenst.

Die Kastelburg hat nicht nur einen mächtigen Bergfried zu bieten, sondern auch eine Geschichte mit tragischem Held, einem Raubritter, vielen Gefangenen, großem Kampf und ein Ende in Flammen - aber der Reihe nach: Erbaut wird sie Anfang des 13. Jahrhunderts.

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Gruselige Geschichten ranken sich um die Ruine am Eingang des Elztals.
(FOTO: GERHARD WALSER)

Da hat der Adel zwar längst die Schwarzenburg auf der anderen Talseite, aber auch den großen Plan, eine neue Stadt zu bauen: Waldkirch, am Handelsweg durchs Elztal. Die Kastelburg direkt über der Stadt ist Ausdruck von Macht und Status. "Mein Tal, meine Stadt, mein Handelsweg" , erklärt der ehrenamtliche Burg- und Stadtführer Thomas Kern. Für eine wirksame Kontrolle liegt die Schwarzenburg zu weit ab vom Schuss.

Also baut sich ein Teil der Schwarzenberger Familie den neuen Sitz. "Und natürlich haben sie sich mit dem anderen Teil verstritten" , erzählt Kern. Die dürfte es gefreut haben, dass auf der Kastelburg bald das Geld ausgeht: 1324 gerät der Burgherr in Gefangenschaft und verpfändet, um das Lösegeld zahlen zu können, seinen Besitz an Habsburg. Er kann das Geld nie zurückgeben. Die Habsburger haben einen Fuß im Elztal, die Kastelburg wird vorderösterreichisches Lehen. Das übernimmt bald Martin Malterer, eigenwilliger Sohn aus reichem Freiburger Haus. "Er wollte die Familienfirma nicht übernehmen, sondern Ritter werden." Also kauft er die Burg und baut sie prachtvoll aus. "Und er hat nicht nur Flausen im Kopf gehabt, sondern sie auch gelebt" , sagt Kern: Ritter Malterer zieht für Habsburg in die Schlacht - und stirbt bei Sempach. Auf der Kastelburg zieht mit Graf Hermann von Sulz ein veritabler Raubritter ein. Mal entführt er einen hochgestellten Abt, um Geld zu erpressen; mal schickt er seine Kriegsknechte auf Raubzüge. Die Bevölkerung nennt sie "Blutzapfen".

Statt Adligen setzen die Habsburger im 16. Jahrhundert Beamte auf der Kastelburg ein. "Doch die Bevölkerung kommt vom Regen in die Traufe, die Beamtenherrschaft ist genauso habgierig" , sagt Kern. Die Burg wird zum Gericht und Gefängnis. "1590 bis 1630 war die grausamste Zeit." Während des Hexenwahns ist das Turmverlies voll, in der Folterkammer werden Geständnisse abgepresst. Wer dabei nicht stirbt, wird auf dem Waldkircher Marktplatz verbrannt. Im Dreißigjährigen Krieg nehmen die Protestanten von der Hochburg bei Emmendingen die katholische Kastelburg ein und belagern die Stadt. 1634 kommt es zum Showdown: Habsburgische Truppen erobern nach harten Kämpfen die Burg zurück, köpfen den feindlichen Kommandanten, seine Soldaten dürfen abziehen. Doch um die Burg zu sichern, fehlen die Leute. Damit sie dem Feind nicht wieder in die Hände fällt, zünden die Habsburger sie selbst an. Seither ist sie eine Ruine.

"Erst mit der Romantisierung im 19. Jahrhundert waren Burgen wieder in" , sagt Kern. Auch in Waldkirch: Ein Bürgermeister kümmert sich um den Erhalt, später die Feuerwehr, seit fünf Jahren sind Bürger der Aktion "Kastelburg in Not" am Sanieren. Die Geschichte halten Führungen lebendig, vom Spaziergang für Senioren über den Ritterweg mit Erklärungen für Kinder bis zur ganztägigen Zeitreise für Familien, die wieder am 9. September angeboten wird - mit Falkner, Türmer, mittelalterlicher Musik und Köchin. Thomas Kern, der Türmer, ist gern nachts auf der Burg, auch wenn er da die Aussicht nicht genießen kann. Sieht er dafür die Weiße Frau, von der Waldkircher Kindern seit jeher erzählt wird? Kern winkt ab: "Alles nur Geschichten."
Simone Höhl

Zur Kastelburg geht’s vom Waldkircher Bahnhof Richtung Bruder-Klaus-Krankenhaus rechts über den Ritterwanderweg (20 Minuten). Der Turm ist von März bis Ende November geöffnet. Infos zu Touren und Anmeldung unter 07681/19433.

 

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Das große silberne Schwert signalisiert: Hier ist der Startpunkt des Ritterwanderweges. Ein Burgfräulein zeigt den Weg zur Kastelburg.

Burgfräulein weist den Weg zu Rittern

Der Ritterwanderweg in Waldkirch hat jetzt eine Starttafel mit Schwert, Burg und Fräulein

Waldkirch.  “Acht Ritter sind genug, jetzt muss ein Fräulein her” - Ursula Querfurth, die Initiatorin des Ritterwanderweges, und Holzbildhauer Klaus - Dieter Kienzler setzten die Anregung der ehemaligen Viertklässler der Schwarzenbergschule gleich in die Tat um. Und so markiert seit einigen Tagen eine große Holztafel mit einem Burgfräulein den Beginn des Ritterwanderweges zur Kastelburg.
      An der Strasse in Richtung Krankenhaus ist am Abzweig zum ehemaligen Staatlichen Forstamt schon von weitem eine etwa zwei Meter hohe Holztafel erkennbar, durchtrennt von einem riesigen silbernen Schwert. Die neue Tafel bildet jetzt den Startpunkt des Ritterwanderweges für die Kinder.
      Ursula Querfurth übergab zusammen mit Klaus - Dieter Kienzler, Edgar Thümmel sowie Barbara und Thomas Kern das Schmuckstück der Öffentlichkeit. Der im Ortsteil Siensbach lebende Künstler Kienzler hat einmal mehr sein Können und Einfühlungsvermögen unter Beweis gestellt: Im Mittelpunkt stehen ein aufrecht stehendes silbernes Schwert und das Burgfräulein. Das Burgfräulein trägt zugleich eine Wappenscheibe des Geschlechtes der Schwarzenberger. Auch Stadtführer Thomas Kern kommt ins Schwärmen: “Eine Klasselösung”, wie der Künstler die Kastelburg mit eingebunden habe. Edgar Thümmel und die Technischen Betriebe sorgten dafür, dass die Starttafel am Waldrand fest verankert ist.
      Bei der Eröffnungsfeier wurden schon neue Ideen zur weiteren Attraktivitätssteigerung entwickelt. Spenden kann man dafür auf das Konto bei der Stadtkasse Waldkirch (Sparkasse Freiburg - Nördlicher Breisgau, Konto 230 020 16, BLZ 680 501 01, oder Volksbank Breisgau Nord, Konto 67 202, BLZ 680 920 00): “Stichwort Ritterweg”.
Badische Zeitung, 14.10.2005

 

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