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Da hat der Adel zwar längst die Schwarzenburg auf der anderen Talseite, aber auch den großen Plan, eine neue Stadt zu bauen: Waldkirch, am Handelsweg durchs Elztal. Die Kastelburg direkt über der Stadt ist Ausdruck von Macht und Status. "Mein Tal, meine Stadt, mein Handelsweg" , erklärt der ehrenamtliche Burg- und Stadtführer Thomas Kern. Für eine wirksame Kontrolle liegt die Schwarzenburg zu weit ab vom Schuss.
Also baut sich ein Teil der Schwarzenberger Familie den neuen Sitz. "Und natürlich haben sie sich mit dem anderen Teil verstritten" , erzählt Kern. Die dürfte es gefreut haben, dass auf der Kastelburg bald das Geld ausgeht: 1324 gerät der Burgherr in Gefangenschaft und verpfändet, um das Lösegeld zahlen zu können, seinen Besitz an Habsburg. Er kann das Geld nie zurückgeben. Die Habsburger haben einen Fuß im Elztal, die Kastelburg wird vorderösterreichisches Lehen. Das übernimmt bald Martin Malterer, eigenwilliger Sohn aus reichem Freiburger Haus. "Er wollte die Familienfirma nicht übernehmen, sondern Ritter werden." Also kauft er die Burg und baut sie prachtvoll aus. "Und er hat nicht nur Flausen im Kopf gehabt, sondern sie auch gelebt" , sagt Kern: Ritter Malterer zieht für Habsburg in die Schlacht - und stirbt bei Sempach. Auf der Kastelburg zieht mit Graf Hermann von Sulz ein veritabler Raubritter ein. Mal entführt er einen hochgestellten Abt, um Geld zu erpressen; mal schickt er seine Kriegsknechte auf Raubzüge. Die Bevölkerung nennt sie "Blutzapfen".
Statt Adligen setzen die Habsburger im 16. Jahrhundert Beamte auf der Kastelburg ein. "Doch die Bevölkerung kommt vom Regen in die Traufe, die Beamtenherrschaft ist genauso habgierig" , sagt Kern. Die Burg wird zum Gericht und Gefängnis. "1590 bis 1630 war die grausamste Zeit." Während des Hexenwahns ist das Turmverlies voll, in der Folterkammer werden Geständnisse abgepresst. Wer dabei nicht stirbt, wird auf dem Waldkircher Marktplatz verbrannt. Im Dreißigjährigen Krieg nehmen die Protestanten von der Hochburg bei Emmendingen die katholische Kastelburg ein und belagern die Stadt. 1634 kommt es zum Showdown: Habsburgische Truppen erobern nach harten Kämpfen die Burg zurück, köpfen den feindlichen Kommandanten, seine Soldaten dürfen abziehen. Doch um die Burg zu sichern, fehlen die Leute. Damit sie dem Feind nicht wieder in die Hände fällt, zünden die Habsburger sie selbst an. Seither ist sie eine Ruine.
"Erst mit der Romantisierung im 19. Jahrhundert waren Burgen wieder in" , sagt Kern. Auch in Waldkirch: Ein Bürgermeister kümmert sich um den Erhalt, später die Feuerwehr, seit fünf Jahren sind Bürger der Aktion "Kastelburg in Not" am Sanieren. Die Geschichte halten Führungen lebendig, vom Spaziergang für Senioren über den Ritterweg mit Erklärungen für Kinder bis zur ganztägigen Zeitreise für Familien, die wieder am 9. September angeboten wird - mit Falkner, Türmer, mittelalterlicher Musik und Köchin. Thomas Kern, der Türmer, ist gern nachts auf der Burg, auch wenn er da die Aussicht nicht genießen kann. Sieht er dafür die Weiße Frau, von der Waldkircher Kindern seit jeher erzählt wird? Kern winkt ab: "Alles nur Geschichten."Simone Höhl |